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Lindwurmgasse

mytologie1Das ist der Standort, wozu altertümliche Sagen besagen, dass hier der schreckliche Lindwurm gefangen und getötet wurde. Es sollte im Jahre 1006 passieren, als hierher der sagenumwobene Stadtbegründer Albrecht von Trautenberg mit seinem Gefolge kam, um im Auftrag von Fürst Udalrich das Diebsgesindel auszurotten und die neuen Städte Trautenau und Schatzlar mit den Dörfern in der Umgebung zu bauen. Diese Sagen hielt schriftlich im 16. Jahrhundert der Chronist Simon Hüttel fest. Im Jahre 1818 wird im Falsum der Grünberger Handschrift erstmals der heldenhafte Trautenberg (Trut) erwähnt, der im Riesengebirgsvorland im direkten Kampf den Lindwurm bereits zu Zeiten von Fürstin Libussa töten sollte.

Im Jahre 2005 wurde von der Stadt Trutnov die Lindwurmgasse symbolisch wiedererrichtet. Das Kunstwerk mit dem Lindwurm entstand nach dem Konzept von Mgr. Jaroslav Dvorský mit Inspiration von der Bürgervereinigung „Trutnov - město draka“ [„Trautenau - Lindwurmstadt“], die sich mit der hiesigen Mythologie befasst. Petr Beneš führte die Steinmetzarbeiten durch, M.A. Paulina Skavova verfasste den Lindwurm, den dann in Bronze die Kunstgießerei HVH, s.r.o., Horní Kalná realisierte.

Die Form des Fundaments stellt den denkwürdigen Hügel aus der Sage dar. Mit dem metallenen Reifen ist er gleichzeitig eine symbolische Darstellung der ganzen Stadt, welche in Vergangenheit der Stadtmauerring umspannte. Der Text ist in drei Sprachen verfasst, dem Abbild der drei Stadttore, in Tschechisch, Deutsch und Latein und ist die Wiedergabe von Wörtern des päpstlichen Legats aus der Sage. Der metallene Reifen stellt auch den Ring dar, den der fliegende Rabe trägt, wie er über Jahrhunderte hinweg im Stadtwappen dargestellt wird. Der rote Stein weist auf Sandstein aus der Permzeit hin, worauf die Stadt liegt. Das weiße Material repräsentiert den Schwadowitzer Bergrücken und die schwarzen Steinwürfel die Steinkohle - das Gold von Schatzlar. Im Fundament wird ein Kreuz hervorgehoben. Aus dem christlichen Glauben schöpften unsere Vorfahren den Sinn ihrer Existenz. All dem dominiert der am Rücken liegende Lindwurm - das Symbol verborgener Geheimnisse und der Bodenschätze unserer Gegend.

Geschichtliche Zusammenhänge

Die „Lindwurmgasse“ ist ein Phänomen der hiesigen romantischen Mythologie im ausklingenden 19. Jahrhundert und der lokalpatriotischen Auffassung der Topographie. Sie entstand abseits des städtischen Urbanisierungssystems als Stabilisierung der Linie hinter den Hinterhöfen von den Häusern in der Brückengasse.

Am Stadtplan aus der Zeit um 1780 ist die Trasse der späteren Lindwurmgasse noch unklar. Im nächsten Plan aus dem Jahre 1841 ist die Gasse bereits eingetragen, doch als Gerbergasse bezeichnet, was wohl an die hier ansässigen Handwerker (Lederverarbeitung) deutet. Wann dieser ursprüngliche Name erschien, ist einstweilen unklar. Der Chronist Simon Hüttel erwähnt der Gerber Hans Weygel „vor dem Niedertor“ bereits 1575. Dagegen wird diese Gasse in den Plänen nach 1850 nur als „Gasse“ bezeichnet. Der Name „Lindwurmgasse“ erscheint erst Ende des 19. Jahrhunderts. Der Reiseführer durch die Stadt aus der Mitte der 60erjahre setzt an den östlichen Zipfel der Stadtmauer die Lindwurmsage, aber über eine Gasse mit diesem Namen informiert er einstweilen nicht.

Die Trautenauer Mythologie befasst sich mit dem Lindwurm selbst eher nur am Rande, eine größere Bedeutung erhält sie erst in neuerer Zeit. Mit dem Namen „Lindwurmgasse“ erreichte so die Bestrebung, den realen Standort mit der Mythologietradition zu vereinigen, ihren Höhepunkt, also den konkreten Ort, wo der Lindwurm aufgespürt und getötet wurde. Da die geologischen Verhältnisse von Trautenau nicht die in den Sagen erwähnte Höhle boten, wurde damals jener Ort dort gesucht, wo der Felsabhang am schrägsten war und wo von der Wassergasse (heute Vodní ulice) aus Kellerräume ausgehöhlt wurden, die einer Höhle ähnelten...

Die Lindwurmgasse befand sich hier in der Niedervorstadt - östlich vom historischen Stadtkern mit Stadtmauer. Es war eine Abzweigung von der verkehrsmäßig wichtigen Schlesischen Straße (zuvor Postgasse genannt), die zum Niedertor (Schlesischen Tor) ging, und führte fast in nördlicher Richtung auf der Höhenlinie parallel zu der Brückengasse hinter den Hinterhöfen dieser Häuser. Dann sank sie steil ab und mündete in die Wassergasse. Die Gasse war ungefähr 100 m lang und ihre Breite erreichte rund 4 m.

Der östliche Teil dieser Gasse verlief an den Hinterhöfen der Häuser Nr. 2 bis 8 von der Brückengasse, die nach und nach eine reguläre Gassenlinie bildeten. Von der Lindwurmgasse gelangte man auch in gewerbliche Einrichtungen - in den 30erjahren des 20. Jahrhunderts werden z. B. eine Konditor und Bäcker mit Kaffeeraum, ein Schleifer, ein Büchsenmacher und der Holz-Großhandel der Gebrüder Finz genannt. Das letzte Gebäude in dieser Häuserreihe war das klassizistische Mietshaus Nr. 8, dessen Grundmauern wohl teilweise auf den Mauerüberresten der einstigen Spitalkirche der Kreuzherren mit dem roten Doppelkreuz beruhten, die hier mit dem Spital, Spitalgarten und Friedhof ihren Standort hatten.

Nach Hüttels Chronik aus dem 16. Jahrhundert war der Platz vor dem Niedertor bereits seit Ende des 15. Jahrhunderts besiedelt; zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstand hier u. a. eine steinerne Kapelle. Im Jahre 1544 wurde vor dem Niedertor ein neues Hospital gebaut, die dazu gehörende Kirche wurde bereits 1497 errichtet. Die Niedervorstadt mit Bebauung, für Wohn- und Handwerksbedürfnisse dienend, entwickelte sich besonders seit den 70erjahren des 16. Jahrhunderts. In deren Nähe befand sich auch die Spitalmühle.

Die oben erwähnten Häuser Nr. 2 - 7 waren für die Stadt typische Handwerkshäuser mit der Breite von rund 8 m. Das Gelände war von der Brückengasse zur Lindwurmgasse leicht ansteigend.

In der Lindwurmgasse befanden sich in ihrem nördlichen Teil zwei weitere Holzhäuser mit Brettergiebeln und steinerner Untermauerung, die das Terrain ausglich. In den Hinterteilen waren in Richtung Stadtmauer in den Hang steinerne Keller ausgebaut. Diese zwei Häuser (Nr. 9 und 10) entstanden wohl um die Mitte des 18. Jahrhunderts und dienten zu Wohn- und handwerklichen Zwecken, gelegentlich auch als Geschäfte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie wie die meisten anderen Häuser durch ein Dekret des Präsidenten der Republik konfisziert, jedoch nicht mehr bewohnt. Sie verfielen bald (die Fenster und Türen gestohlen) und bereits 1948 wurden sie amtlich zum Abriss bestimmt. In diesem Jahr wurde auch das Haus Nr. 8 als Verkehrshindernis zum Abbruch eingestuft, doch als man seinen Wert erkannte, wurde diese Bestimmung zurückgezogen. In der Studie aus dem Jahre 1970 wurde es als einziges in der sonst zum Abriss bestimmten Häuserzeile zur Erhaltung eingestuft. Nach dieser Studie sollte die Lindwurmgasse in ihrer ursprünglichen Trasse in die neue Bebauung einbezogen werden. Ein schlagartiger Wandel kam jedoch im Zusammenhang mit dem Bau des Parteigebäudes der KPČ zu Beginn der 80erjahre. Mit einer nachträglichen Änderung des Projektes verschwand nicht nur die sämtliche Bebauung an der westlichen Seite der Brückengasse (damals Mostecká ulice), sondern auch die Lindwurmgasse (damals Dračí ulička), und das Gelände wurde abgebaggert und wegtransportiert. Der im Jahre 2005 symbolisch errichtete Weg entspricht wenigstens teilweise dem ursprünglichen Verlauf der Lindwurmgasse.

Lindwurmsage

Die Menschen unternahmen viele Vorbereitungsarbeiten zum Aufbau der Stadt. Sie brachen Steine, löschten Kalk, fällten Bäume u. Ä. An einem Maitag 1006 gingen zwei Maurer in den Wald, um einen Steinbruch zu finden. Sie gingen an einem Hang unweit des ehemaligen Diebsturmes entlang und nach einer Weile hörten sie ein erschreckliches Rabengeschrei. Sie eilten also dorthin, wovon das Geschrei herkam und gelangten bald zum Rand einer steilen Schlucht, die ganz mit Gestrüpp überwuchert und nur stellenweise der Felsen zu sehen war. Direkt unter dem Felsen bemerkten sie einen Raben, der bald rauf- und wieder runterflog, wobei von dort ein entsetzliches Geschrei zu hören war. Sie stöberten das Gelände ab, um festzustellen, was der Rabe da treibt. Als sie zu ihm näher kamen, erschraken sie ganz und gar, da sie einen erbarmungslos sich aufstemmenden und wütenden Lindwurm oder Drachen sahen, der sich neben der Felshöhle herumtrieb. Sie eilten schnell aus dem Wald und ritzten Zeichen in die Bäume, damit sie die Stelle später finden können. Sie liefen zu ihrem Herrn Albrecht von Trautenberg und erzählten ihm das erlebte Abenteuer. Der lachte sie aus, er wollte es nicht glauben. Sie schworen jedoch, dass alles so verlaufen ist, wie sie aussagten. Der Herr Albrecht entschied sich also die ganze Angelegenheit persönlich zu überprüfen. Und auch er sah das Untier. Gleich wurden Vorbereitungen zum Einfangen und Töten des Lindwurms getroffen. Sie ließen vom Hügel zu der Höhle eine Menge Bretter hinunter. An die Bäume schnürten sie feste Seile und an den anderen Enden machten sie Schlingen, die sie vor die Höhle hinunterließen. Davor legten sie als Köder ein totes Lamm. Der Lindwurm spürte den Fraß, stürzte sich von der Höhle auf das Lamm und überschlug sich in den Ketten und Schlingen, die sie ihm nachstellten. Als die Leute sahen, dass der Lindwurm in den Schlingen der Ketten und Seile verwickelt war, zogen sie kräftig an und fesselten ihn so, dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Jetzt überlegten sie, wie sie ihn töten könnten. Sie schlugen schnell ein festes und großes Gitter zusammen, ähnlich wie auf der Burg, und ließen es vom Hang auf den Lindwurm hinunter. Das Gitter beschwerten sie dann mit großen Steinen. Sie machten zwei Haufen - einen auf den Kopf und den zweiten auf den Schwanz. Dann legten sie vor ihm ein Feuer an. Der Rauch drosselte ihn an bis er die Kraft verlor und im schrecklichen Geschrei verreckte. Als Albrecht von Trautenberg mit seinen Leuten sah, dass der Lindwurm verendete, ließ er ihm das Leder abziehen, es mit Holzspänen ausstopfen und in der Sonne trocknen. Den Balg stellten sie dann im alten Turm aus und das Fleisch scharrten sie im Erdboden ein.

Bei der Ausmessung der Stadt ging eine große Prozession mit dem päpstlichen Legaten herum, der verschiedene Standorte für die zukünftige Kirche, Burg, Stadttore und Stadtmauer weihte. Herr Albrecht von Trautenberg ließ vom alten Turm die ausgestopfte Haut des Lindwurms herabholen und sie auf zwei große Tische inmitten des Rathauses legen, damit sich die Bevölkerung an diesen denkwürdigen Tagen den Lindwurm ansehen konnte. Das einfache Volk, aber auch der Adel und die Gäste betrachteten das Untier mit großer Bewunderung. Unter Trommelschlägen und Trompetenblasen gelangte zum Lindwurm auch die Prozession mit dem päpstlichen Legaten, der zum Lindwurm Folgendes aussprach: „Du wütendes und niederträchtiges Untier, sei der Segen der Stadt Trautenau und bleibe es auch für ewig!“. Damit wurde die Prophezeiung für das Trautenauer Wappen und den Stadtsiegel geäußert. Der Legat benedeite die ganze Trautenauer Gemeinde und die Prozession begab sich in Richtung des zukünftigen Schlosses. Danach ließ Herr Albrecht den ausgestopften Lindwurm wieder in den alten Turm bringen.

Im Jahre 1024 fand in Brünn der Landtag statt. Bei dieser Gelegenheit schenkten die Trautenauer den ausgestopften Lindwurm dem Fürsten und dieser widmete ihn danach der Stadt Brünn. Hier hängt er in der Durchfahrt des Alten Rathauses bis heute.

Bearbeitet aufgrund Unterlagen von Mgr. H. Burdychová, Mgr. M. Madaj und Otto Štemberka