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Stadt Trutnov

morovy sloupDie Stadt Trutnov (Trautenau) im Riesengebirgsvorland gelegen ist das ideelle östliche Eingangstor in das höchste Gebirge der Tschechischen Republik.

Die Anfänge der heute dreißig Tausend Bürger zählenden Stadt sind mit dem Fluss Úpa (Aupa) verbunden. Er gab im 13. Jahrhundert den Namen der ursprünglich slawischen Siedlung, wofür sich später der Name Trutnov einbürgerte. Die erste schriftliche Erwähnung über die Stadt stammt aus dem Jahre 1260, den Namen Trutnov gebraucht zum ersten Mal die Urkunde von Wenzel II. aus dem Jahre 1301. Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt zu einer von neun königlichen Leibgedingestädten bestimmt.

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Blick in die Geschichte
Die Anfänge von der Besiedlung der Stadt Trutnov (Trautenau) und ihrer nächsten Umgebung fallen bereits in die Urzeit. Spuren von Jägern aus dem Spätpaläolithikum (10 000 Jahre v. u. Z.) wurden in Voletiny (Wolta) und Poříčí u Trutnova (Parschnitz) entdeckt. Spärliche Funde wohl von einem kurzen Menschenaufenthalt in der jüngeren Bronzezeit (um das Jahr 1000 v. u. Z.) wurden am Kataster von Studenec (Staudenz) gefunden.

Im Jahre 1110 brach das polnische Heer in Böhmen ein, wohl durch den Pass Libavské sedlo (Liebauer Pass), wo in späterer Zeit ein wichtiger Handelsweg führte, der das böhmische Binnenland mit Schlesien verband. Unsere Gegend wurde vielleicht auch deshalb dank des Handelspfades nach und nach besiedelt. Eine der Ortschaften wurde im 13. Jahrhundert an der Furt über die Úpa (Aupa) auf der Stelle von dem heutigen Stadtteil Horní Staré Město (Oberaltstadt) gegründet.

Die erste schriftliche Erwähnung über Trautenau ist zwar zum Jahre 1260 dokumentiert, nichtsdestoweniger handelt es sich um die Erwähnung in einer nicht ganz sicheren Quelle, sodass neu die Anfänge der mittelalterlichen Besiedlung des historischen Stadtkerns erst irgendwann in das letzte Drittel des 13. Jahrhunderts versetzt werden. Die Besiedlung der ganzen hiesigen Gegend wird mit dem mährischen Adelsgeschlecht der Schwabenitzer verbunden, das diesen Raum kolonisierte.

Nach seinen Aktivitäten blieben in der Umgebung Überreste von kleinen Burgen übrig, wie zum Beispiel Rechenburg unweit von Libeč (Gabersdorf) oder eine namenlose kleine Burg am Zámecký vrch (Schlossberg) in Parschnitz. Die Schwabenitzer standen wohl auch an der Wiege der Trautenauer Burg, wo heutzutage das Stadtmuseum Muzeum Podkrkonoší sein Domizil hat.

Von dem Geschlecht der Schwabenitzer erwarb die Trautenauer Gegend am Ende des 13. Jahrhunderts der böhmische König Wenzel II. Für längere Zeit wurde die ganze Gegend mehrmals verpfändet. Unter direkter Verwaltung des böhmischen Königs gelangte sie wieder erst 1392 unter der Regierung von Wenzel IV. Er verschrieb 1399 die Trautenauer Gegend mit den Städten Trautenau und Dvůr Králové (Königinhof) seiner Gattin Sophie. Obwohl sie seit Ende 1389 Wenzels Ehegattin war, wurde Sophie erst 1400 gekrönt und seit diesem Jahr gehört Trautenau unter die königlichen Leibgedingestädte.

Im Jahre 1421 besetzte die Stadt das hussitische Heer unter Jan Žižka (Johann Žižka). Auf der Seite der Taboriten und Waisen stand die Stadt in der Schlacht bei Lipany im Jahre 1434. Die böhmische Königin hatte in den Jahren 1437-1448 die Stadt inne, dann wurde sie ununterbrochen bis 1571 wieder verpfändet.

namesti MPDas relativ ruhige 16. Jahrhundert, als sich die Stadt um drei Vorstädte erweiterte, hielt sorgfältig in seiner Chronik der humanistische Chronist Simon Hüttel fest. Das darauf folgende Jahrhundert gehörte dagegen zu den schlimmsten in der Stadtgeschichte. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Stadt wiederholt von dem schwedischen Heer gebrandschatzt und geplündert. Kaum hatte sie sich von dem Unheil erholt, wurde sie 1684 von einem vernichtenden Brand betroffen.

Während den habsburgischen Erbfolgekriegen in den 40erjahren des 18. Jahrhunderts war die Umgebung der Stadt Schauplatz von Kriegsgefechten zwischen der Habsburgermonarchie und Preußen. Am 24. September 1745 ist sie durch Unvorsichtigkeit preußischer Soldaten bei der Bedienung der Feldbäckereien katastrophal einschließlich der Dekanalkirche ausgebrannt. Die Soldaten, die nicht geringe Schäden hinterließen, zogen auch in den darauf folgenden Jahrzehnten durch unsere Grenzregion. Das verwüstete Land betraf darüber hinaus zu Beginn der 70erjahre des 18. Jahrhunderts eine Hungersnot. Man kann sich also nicht wundern, dass als im Jahre 1775 in Böhmen ein großer Bauernaufstand ausbrach, ein großer Kernpunkt gerade in der Gegend von Trautenau entflammte. Am 28. März 1775 kam es unweit der Trautenauer Stadttore am Humlův kopec (Hummelberg) zu einem Zusammenstoß von zwei Tausend aufrührischen Untertanen mit dem kaiserlichen Heer. Das Treffen kostete auf der Seite der Aufständischen acht Tote und zehn Schwerverletzte.

Eine große Katastrophe für die Stadt stellte der Großbrand dar, der am 27. Mai 1861 fast die ganze historische Innenstadt vernichtete. Die Stadt ist bis zu dieser Zeit jedoch bereits mehrfach in ihrer Geschichte bis zu den Grundmauern abgebrannt. Damals verbrannten 142 Wohnhäuser und 139 Nebengebäude einschließlich sieben Häusern vor dem Obertor, weiter das Dach der Dekanalkirche, wobei die Glocken schmolzen, das Dekanalamt, Spital, Gefängnis, Rathaus, Bezirks- und Zollamt und die obere Bierbrauerei. Vom Feuer blieben nur achtzehn Häuser verschont, die meisten davon befanden sich in der heutigen Jihoslovanská-Straße (damals Lange Gasse, später Uffo-Horn-Straße), die bereits Brandschutzwände hatten. Neben dem schrecklichen Brand griff von Naturkatastrophen in das Leben der Stadtbewohner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ferner eine Überschwemmung im Sommer 1897 ein, die durch einen Wolkenbruch im Riesengebirge verursacht wurde. Die Überschwemmung betraf sehr schwer alle Ortschaften am Ober- und Mittellauf der Aupa. Große Besitzverluste verursachte sie in Oberaltstadt, Dolní Staré Město (Niederaltstadt), Trautenau und Parschnitz. Sie nahm sich ferner das Leben von einigen Personen. Damit zukünftig ähnliche Katastrophen verhindert werden, wurde die Aupa im darauffolgenden Jahr im Stadtzentrum in steinernen Ufermauern in der Länge von 1730 Metern geführt.

Eine andere Katastrophe stellte in der Stadtgeschichte der preußisch-österreichische Krieg dar, wo die unmittelbare Umgebung am 27. Juni 1866 blutiger Schauplatz der Schlacht bei Trautenau war. In die Geschichte schrieb sie sich als einziger Ort am nördlichen Kriegsschauplatz ein, wo es der österreichischen Armee gelang in diesem Krieg zu gewinnen. Die Preußen beschuldigten jedoch nach der verspielten Schlacht mit Unrecht die Trautenauer Bürger wegen einem heimtückischen Verrat und verschleppten einige von ihnen ins Gefängnis nach Glogau. Einer von den Gefangenen war der Bürgermeister der Stadt JUDr. Hieronymus Roth.

Trotz des katastrophalen Brandes 1861 und der Kriegsereignisse 1866 gehörte die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer der erfolgreichsten Zeitspannen in der Trautenauer Geschichte. Die Stadt voller Textilfabriken entfaltete sich damals sehr schnell und zwar nicht nur, was die Anzahl der Bewohner betrifft, sondern auch mit der regen Bautätigkeit und im Gesamtausmaß. Den Sitz hatte hier ferner die europäisch berühmte Garn- und Flachsbörse.

Im Jahre 1918 wurde die Stadt mit der gegründeten Tschechoslowakischen Republik ihr Bestandteil, was natürlich von der hiesigen Bevölkerung, bestehend überwiegend von Deutschen, nicht mit großer Begeisterung akzeptiert wurde. Die Unzufriedenheit steigerte sich in den 30erjahren nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise und nach der Machtübernahme von Adolf Hitler in Deutschland, mit dem die Umgebung von Trautenau unmittelbar in Nachbarschaft stand. An Nazideutschland wurde dann die Stadt als Bestandteil des Sudetengaus im Oktober 1938 angeschlossen. Im Laufe der Jahre 1939-1945 rückten die meisten hiesigen Männer in die Wehrmacht ein und nicht wenige von ihnen büssten da ihr Leben ein. Das Ende des Zweiten Weltkrieges kam in die Stadt am 9. Mai 1945, als hierher Einheiten der Roten Armee vorrückten. Nach der Befreiung kam es im Zusammenhang mit dem Abschub der meisten deutschen Bevölkerung und mit der ankommenden neuen Bevölkerung aus dem Binnenland und weiteren Gegenden der Tschechoslowakei, bzw. aus dem Ausland, zu einem grundsätzlichen ethnischen und sozialen Wandel in der ganzen Region.

Die Stadt Trutnov hat gegenwärtig 31 000 Einwohner und ist ein natürlicher politischer, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt in Nordostböhmen. Was die Bewohneranzahl betrifft, ist sie gleich hinter der Kreisstadt Hradec Králové (Königgrätz) sogar die zweitgrößte Stadt des Kreises Hradec Králové. Die Stadt, die früher mit der Textil-, Leder-, elektrotechnischen, Maschinenbau-, Lebensmittelindustrie und Stromerzeugung berühmt war, ist ferner ein bedeutender Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt. Ihren Sitz haben hier zahlreiche Ämter, Institutionen, Mittelschulen, ihre Zweigstellen und Konsultationszentren haben hier auch einige Universitäten.

Trotz zahlreichen Bränden haben sich in der Stadt mehrere Baudenkmäler erhalten, sowie im historischen Stadtkern, als auch in den Randgebieten, die sich besondere Aufmerksamkeit verdienen. Von gotischen Denkmälern der Stadt nennen wir besonders die Kirche des hl. Wenzel in Oberaltstadt, ferner Überreste der Stadtmauer, Keller der ehemaligen Burg und einiger Häuser im Stadtzentrum. An die mittelalterliche Stadtgründung erinnert bis heute der ovale Grundriss des historischen Stadtkerns. Die Renaissancezeit kommt mit der Sgraffitoverzierung des Hinterteils vom Alten Rathaus zum Ausdruck, die in den 80erjahren des 20. Jahrhunderts erneuert wurde, und gleichfalls das Sgraffito am Haus Nr. 35 (Galerie der Stadt Trutnov) am Platz Slovanské náměstí, das in den 90erjahren des 20. Jahrhunderts restauriert wurde. Renaissancespuren finden wir ferner an der Kirche des hl. Wenzel in Oberaltstadt vor.

Der barocke Kunststil vertreten die imposante Erzdekanalkirche Maria Geburt aus den Jahren 1756-1782, die Kirche zum hl. Simon und Judas in Starý Rokytník (Altrognitz), die Kapelle der hl. Thekla in Babí (Trautenbach) aus dem Jahre 1753, die Kapelle des hl. Johannes des Täufers am Johannisberg aus dem Jahre 1712, die Maria-Hilfskapelle in Parschnitz von 1770, die elf Meter hohe Dreifaltigkeitssäule am Platz Krakonošovo náměstí (Rübezahlplatz, früher Marktplatz) von 1704, die Statuengruppe Hinabstürzung des hl. Johannes von Nepomuk in der Horská-Straße (Gebirgsstraße) und die Statuengruppe der hl. Familie zwischen der Erzdekanalkirche und dem Museum. Gleichfalls viele Häuser am Marktplatz haben Barockelemente.

Der Empirebaustil ist z. B. mit der Kapelle des hl. Johannes von Nepomuk aus dem Jahre 1840 vertreten; sie ist unterhalb des Krankenhauses platziert. Die Stadt ist reichhaltig an Denkmälern, die in historisierenden Baustilen nach dem Großbrand 1861 errichtet wurden. Im Namen aller nennen wir die Stirnseite des Alten Rathauses mit dem Turm, die evangelische Kirche und die Peter-und-Paul-Kirche in Parschnitz im neugotischen Stil oder das Haasepalais im Neurenaissancestil. In diese Bauperiode gehören auch die Filialkirchen des hl. Josef in Voletiny (Wolta) und des hl. Johannes von Nepomuk in Libeč (Gabersdorf). Im historischen Stadtkern sind ferner die zahlreichen Laubenhäuser bemerkenswert, die sich nicht nur um den ganzen Marktplatz herum, sondern auch in den benachbarten Straßen befinden.

In der Umgebung der Stadt gibt es zahlreiche Denkmäler an den Krieg 1866. Ein technisches Denkmals sind zwei Eisenbahnviadukte übereinander in Parschnitz. Bedeutende Baudenkmäler aus dem 20. Jahrhundert sind die Artilleriebefestigung Stachelberg oberhalb Trautenbach, in den Jahren 1937-1938 erbaut, die tschechische Minderheitsschule im Stadtviertel Česká čtvrť (Böhmisches Viertel) aus den 20erjahren, das Kino, in den Jahren 1928-1929 nach dem Projekt des Architekten Richard Brosch realisiert, und das Gebäude der jetzigen Kapitän-Jaroš-Grundschule, in den Jahren 1927-1929 als deutsche Volks- und Bürgerschule nach dem Projekt des führenden Architekten und Trautenauer Landsmanns Max Kühn errichtet. Von bedeutenden modernen Gebäuden des gegenwärtigen 21. Jahrhunderts nennen wir wenigstens das Gesellschaftszentrum der Region Trutnov für Kultur und Freizeit UFFO, feierlich 2010 eröffnet.